Warum und wozu wir bloggen

Von wenigen Komponisten gibt es so viele Biographien wie von Franz Schubert.

Und so ist das Spannendste in diesen Lebensbeschreibungen immer das Vorwort, der Autor oder die Autorin entschuldigt sich zunächst wortreich dafür, dass er oder sie noch eine weitere Schubert-Biographie auf den Markt bringt, obwohl es doch schon so viele gibt, um dann wortreich zu erklären, warum er oder sie es eben doch tut. Eigenartigerweise muss man ihnen jedoch meistens recht geben, ich habe einige Lebensbeschreibungen des Wiener Meisters gelesen, und stets entdeckte ich noch etwas Neues, Ungelesenes, sei es, dass der Fokus auf eine andere Sache gelegt wurde, zum Beispiel auf seine vergeblichen Versuche, eine Oper zu komponieren, sei es, dass die Forschung neue Fakten hervorgebracht hatte oder sei es, dass ich ein Detail in den früheren Schubertbiographien einfach überlesen hatte (wie die Geschichte, in der ihn der Verleger um die Einnahmen aus der Müllerin betrügt).

Schaut, und mit Blogs und Chats, mit Newslettern und Informationswebseiten ist es fast genauso: Es gibt schon viel zu viel Text im World Wide Web, jede Autorin und jeder Autor muss sich eigentlich dafür entschuldigen, dass er noch mehr Dinge ins Internet stellt, wird aber doch begründen können, warum genau dieser Blog, genau diese Seite notwendig und sinnvoll ist.

Man kann z. B. inzwischen sicher mehrere tausend Food-Sites finden, und dennoch wird man auf jeder ein Rezept finden, das man gerne ausprobieren möchte, ein Gratin, das man in den Ofen schieben oder einen Salat, den man zubereiten will. Genauso wird man sicher unzählige Mode-Seiten finden, aber auch von diesen sind die wenigsten wirklich unnötig, überall ist noch eine Hose oder ein Rock, eine Bluse oder ein Mantel, die oder den man chic und modisch findet.

Und eben das will ich hier tun, mich quasi entschuldigen, dass wir vom Verband Chorleitung Nordwestschweiz nun auch noch einen Blog schalten, und gleichzeitig dafür Werbung machen, unsere Texte regelmässig zu lesen.

Ich möchte noch einmal auf Schubert zurückkommen. Die wirklich spannenden der gefühlten 1000 Biographien über ihn sind nicht die, in der Stücke einzeln auseinandergenommen und Partituren analysiert werden (Gerald Moore, verzeihe mir!), sondern die, in der der Komponist mit gesellschaftlichen Themen vernetzt wird: Wie sah das Wien des frühen 19. Jahrhunderts aus? Was bedeutete es, in einer reichen Stadt kein Geld zu haben? Was bedeutete es, als einer der ersten Künstler freischaffend zu arbeiten? usw.

Und genauso wollen wir in unserem Blog nicht hauptsächlich Werbung für neue Chornoten machen, ich denke, eure Schränke und Archive quellen von Partituren und Klavierauszügen genauso über wie meine, wir wollen uns dem Phänomen Chor und Chorleitung von ganz verschiedenen Seiten nähern.

Wir Chorleiterinnen und Chorleiter sind ja wahre Allrounder, wäre ein Chor eine AG, müsste er mehrere Leute einstellen, die die mannigfaltigen Aufgaben erledigen. Wir sind Dirigent(inn)en und meist auch Pianist(inn)en, wir sind Pädagog(inn)en und Psycholog(inn)en, wir sind Musikwissenschaftler(inn)en, wir arrangieren und schreiben Texte, wir kümmern uns um Marketing und Corporate Identity und nebenbei sind wir auch noch Finanzfachpersonen und Controller, wenn wir überlegen, ob eine Verstärkung des Continuos finanziell möglich ist und ob genügend Geld für einen teuren Tenor oder eine kostspielige Sopranistin da ist.

Chor ist ein gesellschaftliches Phänomen und soll auch als solches bei uns wahrgenommen werden.

So werden wir in lockerer, unsystematischer Reihenfolge uns mit diversen Themen rund um die Chorleitung beschäftigen.

Viel Spass beim Stöbern und Lesen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.