Eine Technik-Null lernt Zoom – ein humorvoller Erfahrungsbericht

„Tunten und Technik!“ stöhnt meine Freundin Carola immer, wenn ich ein Gerät falsch einstöpsele, auf dem PC die falsche Taste drücke oder irgendeinen Internet-Trick immer noch nicht kapiert habe. „Tunten und Technik! TuT!“. Ich glaube aber, dass meine technische Un-Versiertheit nicht meiner Homosexualität entspringt, sondern meiner Herkunft aus einem Ingenieurshaushalt. Meine Eltern waren beides Techniker und 80% unserer Freunde waren Techniker, und ich fand die alle ein wenig verschroben, daher habe ich einem Metier zugewandt, in dem es viel mehr normale und geistig gesunde Leute hat, der Musik. Das meine ich jetzt ganz ernst. Wirklich.

Wie dem auch sei, als die Mail vom VChN bezüglich Internet-Chorproben kommt, bricht bei mir die helle Panik los: Das kriegst du nie hin! Gestern hast du ja nicht einmal deinen Rasierapparat aufgeladen bekommen und bei der Lampe, die schon lange nicht mehr an war, 15 Minuten den Lichtschalter gesucht. Nie!

Dann beruhige ich mich ein wenig. Immerhin habe ich ja schon Word-Dokumente geschrieben bekommen, ich kann Excel und ich habe schon sicher 45 Powerpoints gemacht. Ich habe eine Internetverbindung. Aber wenn zoom.us eine Mailadresse von mir verlangt? Habe ich überhaupt eine? Natürlich, David hat die Einladung zur zoom-Konferenz ja nicht per Brieftaube, sondern per Mail geschickt.

Also mutig ans Werk: Nach einer halben Stunde bin ich bei zoom.us angemeldet und habe die App heruntergeladen. Super. Ich bin ein IT-Genie. Jetzt sehe ich mir die Ratschläge von David noch einmal an:

Kamera und Mikrophon testen. Habe ich das? Habe ich doch gar nicht! Doch, ein 2 Jahre altes Notebook müsste das haben. Zum Glück hat der Laptop eine wunderbare Suchfunktion. Also: Da, wo Zur Suche Text eingeben steht, steht Kamera geschrieben, und schon bin ich bei der App. Ich sehe nicht wirklich hübsch aus, aber da kann Microsoft wahrscheinlich nichts dafür, sondern eher die Tatsache, dass ich von meinem Coiffeur seit Wochen coronagetrennt bin. Ich nehme als Test ein Video auf. Sehr lustig. Aber habe ich auch ein Mikro? Natürlich. Auf dem Video sage ich „Hallo, hallo, hallo“, das kann ja nur via Mikro in das Video gekommen sein.

Kopfhörer benutzen. Kopfhörer? Hatte ich mal, ist sehr lange her. Also suchen. Und ich finde sie – sogar an dem Ort, an dem sie sein sollten, der Schublade in meinem Abstellraum, auf der ELEKTRONIK steht. Ich stöpsele sie ein und gehe jetzt erst einmal einen Kaffee trinken. Aus der Kaffeepause zurück, will ich kurz Nachrichten in swr2 hören, aber mein PC hat seinen Ton verloren. Ich brauche zwei Minuten, um zu merken, dass der Ton jetzt durch die Hörer kommt und daher nicht durch das Mikro. (TuT?)

Computer mit Kabel mit dem Router verbinden. Nein, das geht wirklich nicht, der Router steht in der Wohnung meines Partners oben, ich kann nicht mit der Strippe durchs Treppenhaus. Also muss W-Lan genügen, ich denke, da sind wir in der Schweiz weit genug. (Wie sich herausstellt, langt es völlig.)

Und dann kommt sie, die magische Zahl, neunstellig, xxx-xxx-xxx, fast hat man das Gefühl von Heiligkeit und Trinität, das heisst, erst einmal kommt sie nicht, sie kommt nicht um 17.45, wie angekündigt, sie kommt um 17.59, nach nochmaligem Nachfragen, 14 bange Minuten, in denen ich natürlich an mir gezweifelt habe, in denen ich mir gesagt habe, siehst du, du bist zu blöd, du schaffst es natürlich nicht, alle sind drin und du bist wie bei Borchert draussen vor der Tür.

Aber dann bin ich da und das Zoomen geht los.

Und es macht viel Spass.

Nun sind 3 Wochen vergangen und viel ist passiert. Ich habe an mehreren Gesprächen teilgenommen, habe zoom-Proben geleitet und für meine Schule via zoom unterrichtet, immer wieder denke ich zwar, autsch, das geht jetzt nicht, das kannst du nicht, das liegt an dir. Aber sind es meistens Sachen, die gar nicht gehen können. Zum Beispiel versuch ich als Normalteilnehmer Breakout-Rooms einzurichten, was ich nur als Host kann, niemand kann das, wenn er nicht Host ist.

„TuT“? „Tunten und Technik“?

Nein, liebe Carola, du hattest Unrecht, ich bin ein Technik-Freak! Ein Internet-Konferenz-Experte!

Vielen Dank, lieber David.

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